ERLÖSE DICH SELBST,

SONST TUT ES KEINER!

Erlösung ist ein zentraler Begriff vieler Religionen. Es wird damit ein Endzustand beschrieben, in dem der einzelne Mensch und schlussendlich die ganze Welt von allem Negativen befreit ist. Es geht um ein Heraustreten aus einem Zustand der Unfreiheit oder Sünde in die Erfahrung eines befreiten Daseins.

Doch um was geht es wirklich? Brauchen wir Erlösung? Und wer soll uns erlösen?

Schauen wir doch einmal woher das Wort „erlösen“ stammt.

Das Verb erlösen bezog sich in der Antike auf den Freikauf und die folgende Freilassung von Sklaven, womit ihre Sklaverei beendet wurde.

Der Gedanke der Erlösung durch Gott, wurde einer Sklavenhalter-Gesellschaft entnommen und ist zurückzuführen auf die Erfahrungen des Volkes Israel als Sklaven in Ägypten. 

Heute wird der Begriff Erlösung von christlichen Kirchen als Rettung vor der Sünde, dem Teufel und der Hölle verwendet.

Aber ist das wirklich wahr?

Jemanden erlösen, hieß: jemanden loskaufen aus Fremdbestimmung und Unfreiheit. Danach gestaltete sich ein Gottesbild: Jahwe (der Gott des Alten Testamentes) als der Loskaufer, Freikaufer, Retter und Heiler.

Aber sind wir wirklich Sklaven? Ich sage nein, denn der Mensch ist ein großes, mächtiges und liebevolles gott-menschliches Wesen. Wir sind freie Kinder GOTTES.

Die Idee einer Erlösung durch Jesus Christus kam erst in den ersten Jahrhunderten auf. Die Lehre von einem stellvertretenden Sühnetod Jesu stammt aus dem antiken Judentum und setzt einen zornigen Gott voraus, den man durch Menschen- oder Tieropfer umstimmen oder besänftigen könne. Die Priester waren es, die diesen Opfergedanken vor allem aus Ägypten mitbrachten und in die israelitische Religion einführten. Gott wurde als Herrscher, Richter und Strafvollstrecker gesehen.

Die ersten Kirchenväter in den ersten Jahrhunderten entwickelten eine Theologie nach dem damals herrschenden Römischen Recht und nicht nach der Ansicht Jesu. Im Hebräerbrief des Paulus der es erst im 4. Jahrhundert in die Bibel schaffte, wurde diese Lehre wieder aufgenommen und er behauptete: „Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung“ (Hebräerbrief 9, 22). Die Sünden des israelischen Volkes wurden durch Blut auf einen Widder übertragen. Dieser wurde zum „Sündenbock“ ernannt und vom Hohenpriester getötet. So glaubte man die Sünden reinzuwaschen. Dann wurde das Ganze auf Jesus Christus übertragen. Er wurde zum Sündenbock der Menschheit.

Er wurde zum „Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“.

Wenn der gläubige Mensch diese Erlösung nicht annimmt, wird er in der Hölle bestraft, so die Lehre vieler Kirchen.

Was hat es aber mit Sünde auf sich? Was bedeutet Erbsünde? Und warum sollte man dadurch in die Hölle kommen?

Adam, Eva und die Ursünde

Sind Schmerz, Tod und Vertreibung aus dem Paradies nicht eine harte Strafe für so eine kleine Überschreitung? Ist Gott wirklich so streng? Warum hatte Gott einen Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gepflanzt, von dem niemand essen durfte?

Wollte er vielleicht Adam und Eva zur Sünde verführen, um sie nachher bestrafen zu können?

Warum hatten die ersten Menschen bevor sie von der verbotenen Frucht gegessen hatten keine Schamgefühle über ihre Nacktheit, aber danach schon? Warum wurden sie bestraft, wenn sie ja das Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse noch nicht hatten?

Lesen wir doch die Geschichte von Adam und Eva auf eine andere Weise. Sie erzählt wie erleuchtend und befreiend, wie wunderbar und schwer, wie dankbar und mühsam das menschliche Leben ist.

Es ist nicht die Geschichte der Ursünde, sondern die Erzählung der Entstehung des menschlichen Bewusstseins. Sie beschreibt den Übergang vom animalischen zum menschlichen Bewusstsein. Und unser menschliches Leben ist ungemein komplizierter als das der Tiere, denn wir sind sensibel auf unsere moralische Dimension unserer Entscheidungen. Wir spüren Verlust, Frustration, Angst und Eifersucht auf eine Art und Weise, die die Tiere nicht haben. Es ist der Preis, den wir für unsere Menschwerdung zu bezahlen haben, der Preis auch für die Fähigkeit Liebe, Freude und Hoffnung zu empfinden.

Es ist nicht die Geschichte von zwei Menschen, die bestraft wurden, weil sie einen Fehler begangen oder das Paradies verloren haben, weil sie nicht perfekt waren. Es ist die Geschichte der ersten Lebewesen die im Begriff waren menschlich zu werden. Diese Entwicklung ging vom relativ einfachen animalischen Leben hin zu dem recht komplizierten Leben des Menschen. Man hat bald gemerkt, dass Leben nicht nur Essen und sich Fortpflanzen bedeutet. Es bedeutet Verantwortung zu übernehmen, Fehler zu machen, nicht weil sie schwach oder böse waren, sondern weil die Entscheidungen einfach manchmal schwierig waren. Aber wie viel Freude kam auf! Wie sehr freut sich eine Frau ihr Kind zum ersten Mal in den Armen zu halten, welches sie in Schmerzen geboren hat? Wie groß ist die Erleichterung bei der Versöhnung eines streitenden Ehepaares? Wie groß ist der Stolz eines Vaters über die Entwicklung seines Sohnes, auch wenn es viele Tränen gekostet hat? Das ist Menschsein. Das ist Leben. Verdamme es nicht. Nimm die Herausforderung an. Übernimm Verantwortung. Und genieße das Leben!

Die Theologen hatten dies fälschlicherweise als Sünde und Ungehorsam bezeichnet und den Menschen so abhängig vom Verzeihen Gottes gemacht. Sie hielten dies für ein gefundenes Fressen und erklärten, der Mensch habe sich gegen Gott aufgelehnt und so die Trennung von Gott gerechterweise verdient. Nur ein Erlöser, der von außen her kommt, könne diese Kluft überbrücken.

Erlösung neu betrachtet

Die ganze Erlösungsgeschichte ist auf einem großen Irrtum aufgebaut: dass wir getrennt von GOTT sind und es eine unüberwindbare Kluft zwischen GOTT und Menschen gibt.

Eine solche Trennung und Kluft gibt es nicht.

GOTT und Mensch sind EINS, wie das Meer und die Welle.

Erlösung verstehe ich als Erwachen aus der Illusion des Getrennseins von Gott. Jeder Mensch hat eine Erinnerung an die Urliebe in sich.

Wenn Du erkennst wer Du wirklich bist, brauchst Du keinen Vermittler und keine Gebote. Dein Handeln wird Liebe sein. Wenn nicht, hast Du noch nicht wirklich erkannt wer Du eigentlich bist.

Erlösung ist nicht etwas, das Du machen kannst. „Wenn ich brav bin, werde ich dafür belohnt!“

Erlösung verstehe ich als ein sich erinnern, wer ich wirklich bin. Bedeutsam ist, was ich zutiefst bin, nicht was ich an Eigenleistung vorweisen kann!

Erlösung ist das Durchbrechen der Ichzentrierung, der Egostruktur, die sich mit dem materiellen Körper identifiziert (und die daraus resultierende Dualität) und so undurchlässig wird für das Göttliche.

Erlösung ist die Einordnung Deines Ich’s, dass Dir ein Abgetrenntsein von Gott vorgaukelt, in die Einheit.

Erlösung bedeutet daher, dass Du diese Einheit wiedererkennst und lebst!

Erlösung ist demnach ein Aufwachen! Die Täuschung und Illusion erkennen und wieder zu Deiner wahren gottmenschlichen Größe stehen!

Ich lade Dich ein, Dein Wertsein zu finden. Auch inmitten Deiner Fehler.

Lass Deine Dich selbst verurteilenden Gedanken einfach los.

Lass Deine Dich selbst bestrafenden Verhaltensweisen einfach los.

Zeige Dich in Deiner ganzen Größe.

Zeige Dich so, wie Gott Dich wirklich sieht: unbefleckt, rein und integer.

Befreie Dein Herz von allem, was es bedrückt, einengt, belastet, begrenzt, einsperrt und verdunkelt!

Nichts kann die Welt schneller heilen, als dem Menschen seine eigene Identität und Würde zurückzugeben.

Du bist an Dich selbst zurückgegeben, wenn Du über Dich die herrlichsten und erhabensten Dinge denken und aussagen kannst.

Kurt Meier